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  • Maximilian Gierl

Chasing the Sunrise - Grossglockner 3798m


Nach den ersten 2 Gipfeln in Lichtenstein und Garmisch war es Zeit für den ersten höheren Berg. Bei Neuschneemengen von einem Meter brauchte es hierfür natürlich eine Crew. Glücklicherweise hatte Alex Schweiger auch mal wieder Lust auf den Glockner und Jo, den ich in Chamonix kennengelernt hatte war auch von der Partie.

Nachdem das geklärt war konnte man sich ja mal auf die Wetterprognose konzentrieren. Am Freitag perfektes Wetter, am Samstag sah es nach einem Wetterfenster bis 11:00 Uhr aus. Welch glücklicher Zufall dass Alex die Idee hatte, bei Sonnenaufgang bereits am Gipfel zu sein. Klang nach einem Abenteuer und drastisch wenig Schlaf da ich Jo erst um 6 in Miesbach abholen würde.

Der Tag X

Pünktlich um halb 10 erreichten wir den Parkplatz am Luknerhaus. Pünktlich um halb 1 waren wir auch schon wieder raus aus den Federn. Nach kurzem Frühstück machten wir uns um 01:15 auf den Weg. Zunächst auf schnöder Forststrasse, ab Lucknerhütte dann langsam aber sicher im Schnee in guter Spur. Aufgrund der guten Spur entschieden wir uns gegen die Variante über den Mürtztaler Steig und für den Gletscher. Der Vorteil im Dunkeln ist, man sieht ja nicht gross was aussenrum ist. Es hat Spalten, aber die Spur war perfekt von den Bergführern präpariert worden. In gemütlichem Tempo erreichten wir nach knapp 4h die Adlersruhe. Kurz aufwärmen und weiter gings in Richtung Gipfel. Vor uns nur eine Zweierseilschaft, hinter uns eine 3er Führerseilschaft.

Ab dem Leitl kam langsam die blaue Stunde zum Tragen, langsam brauchbare Photobedingungen. Ein grandioses Panorama zeigt sich um diese Zeit.

Die Traverse vom Kleinglockner zum Grossen ist wunderbar exponiert, bei dieser Spur aber kein Problem.

Die letzten Meter

Nach kurzem Abketten in die Scharte und ein paar Kletterzügen im zweiten Grad erreichten wir exakt um 06:40 Uhr den Gipfel.

WowwowwoW

Eine Wahnsinns Wolkenstimmung lies das Fotografernherz höher schlagen. Als sich die Sonne über die Wolken Schob und alles in goldenes Licht tauchte bekam ich Gänsehaut, was für ein unglaubliches Erlebnis. Das sind die Momente, warum wir so früh aufstehen. Grossglockner, danke sehr! Es war uns eine Freude!

Die Schattenseite des Glockners

Während der Aufstieg eine einsamer Genuss war, zeigte der Berg im Abstieg sein unschönes Gesicht. Heerscharen an Menschen mit Bergführer und sehr unterschiedlichen Fähigkeiten im Bergsteigen strömten dem Gipfel entgegen.

Leider kümmern sich die meisten Bergführer keine Deut darum, ob du da stehst oder nicht. Die wollen da in hohem Tempo hinauf, Kamera her, Gipfelfoto klick und zurück zur Adlersruhe um die nächsten Zahlenden abzuholen. Wer hier nicht gut auf den Beinen steht, hat beste Chancen die eine oder andere Rinne des Grossglockners zum Lebensende kennenzulernen.

Sehr schade, aber so ist das halt an den höchsten Bergen der Länder, da wollen alle rauf, auch wenn sie die Fähigkeiten dazu eigentlich gar nicht besitzen. Also heuert man einen Bergführer an, der hier eher einem Kameltreiber gleich kommt, der einem über die Felsen hochschleift, um dann einen 28 sekündigen Gipfelmoment zu erleben.

Ja nu, jedem das Seine. Ich persönlich schaue lieber dass ich den Schwierigkeiten gewachsen bin und gehe für mich alleine, dafür habe ich aber auch einen einstündigen Gipfelmoment den ich definitiv nicht vergessen werde. Aber Bergsteigen und reiner Kommerz sind für mich zwei grundverschiedene Dinge, geht es doch um den Genuss und das Wahrnehmen besonderer Orte.

#collectmomentsnotthings


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