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  • Maximilian Gierl

Grand Combin Traverse



Nach unserer erfolgreichen Matterhornbesteigung wenige Tage zuvor konnte ich dank Sommerflaute in der Arbeit nochmals einen Freitag frei nehmen. Tobias hatte mit einem Kollegen die Grand Combin Traverse ins Auge gefasst und ich konnte mich den Beiden anschliessen. Der Führer beschreibt die Tour als eine der wildesten und längsten, das klang doch ansprechend. Normale Menschen machen sich im Frühjahr mit Ski im Gepäck zu diesem Massiv auf den Weg, die lauffreudigen und abenteuerlustigen Alpinisten nehmen das Massiv im Sommer in Angriff. Eines sei vorweg genommen, ich empfehle definitiv die Skivariante…



Nach gemütlicher Anreise nach Bourg St. Pierre bin ich gegen 14:00 Uhr gemütlich Richtung Valsorey Hütte aufgebrochen. Tobias (@Alpinefex) und sein Kollege waren schon am Vormittag aufgebrochen nachdem Sie ein Auto am Endpunkt parkiert hatten. Somit durfte ich alleine in der Nachmitagssonne dahindarben. Dementsprechend legte ich das Tempo auf Grundlage und genoss das mediterrane Felling in diesem Wunderschönen Tal welches alleine schon einen Ausflug wert ist. Während im unteren Teil der Wanderweg von zigtausenden Grashüpfern belegt ist spürt man ab 2500m die Rauheit des Hochalpinen. Der Torrent du valsorey donnert mit einer gewaltigen Wucht gen Tal und bald biegt der Weg nach links und gibt den Weg zur Hütte und dem Meitingrat, unserem morgigen Ziel, frei.

Der Weg zieht nun am linken Rand des Kessels hinauf und nach 2,5 Std erreiche ich die Hütte wo Tobias bereits wartet. Die Valsorey Hütte ist wahrlich ein Bijou. Die kleine Hütte thront auf 3030m bietet einen traumhaften Blick hinüber zu Grand Jorasses und dem Massiv du Mont Blanc. Dank der Dimension kommt fast familiäres Feeling auf. Geputzt und aufgeräumt wird nach dem Essen als Kollektiv und fast schon mütterlich bittet uns die Hüttenwirtin, ihr ein Telefon zu geben wenn wir sicher in Mauvosin angekommen sind.



02:30 Uhr

Auch nicht schön, diese Weckzeit, aber immerhin besser als am Matterhorn. Nachdem wir unserer 7 Sachen gepackt haben und ein kurzes Frühstück genossen haben treten wir um 03:20 Uhr in die vom letzten Mondlicht erleuchtete Nacht hinaus. Wir checken ein letztes mal den Wetterbericht der uns ein Zeitfenster bis 15:00 Uhr prophezeit. Wir folgen dem mit Katzenaugen markierten Weg der uns auf die spärlichen Reste des Glacier du Meitin führt. 2 italienische Seilschaften sind kurz vor uns aufgebrochen und so müssen wir nur ihren Lampen und Spuren folgen, weniger denken bevorzuge ich um diese Zeit.

Die erste italienische Seilschaft holen wir bald ein und während diese versuchen uns auf den Fersen zu bleiben was der Alpinistin offensichtlich Mühe bereitet. Sie stöhnt ihn meinem Nacken als ob sie kurz vor dem Höhepunkt wäre, doch dieser ist hier noch längst nicht erreicht.

Bald erreichen wir die Gratkante, sehr zu meiner Erleichterung. Der Aufstieg in der Flanke ist von Steinschlag bedroht, 2019 kam es genau hier zu einem tödlichen Unfall. Zeit um kurz nach der Milchstrasse Ausschau zu halten, das Streulicht aus dem Aostatal verunmöglicht hier jedoch einen Topshot.



Nach der kurzen Pause folgen wir Wegspuren und Steinmännern hinauf, immer wieder durch kurze, einfache Kletterstellen unterbrochen. Das geht alles seilfrei und so kommen wir zügig voran. Als wir die Schlüsselstelle auf 3900m erreichen dämmert es bereits und ob der gehörigen Exposition holen wir den Strick hervor. Als Kameramann habe ich die Ehre, gleich vorzusteigen, doch die Kletterei ist gutmütig und es hat sogar Bohrhaken. Nach kurzem Zwischenstand folge ich einem Band nach rechts und bei einem Haken scheint mir die Route nach oben zu ziehen. Schaut wild aus, soll ja auch eine 3c sein und so schwinge ich mich mit Spreiztechnik auf den überhängenden Block. Elegant sieht anders aus, aber es ist ja keiner da der`s sieht…

Anschliessend traversiere ich luftig nach links und folge dann einfachem Gelände nach oben. Die anderen beiden mühen sich offensichtlich ebenfalls an der kniffligen Stelle ab, zumindest warte ich einigermassen lange bis die die rote Jacke von Tobias zu Gesicht bekomme.



Wir verräumen das Seil wieder und in mehrheitlich Gehgelände kommt schon bald das Gipfelkreuz des Combin de Valsorey in Sichtweite. Um 07:00 Uhr klatschen wir dort ein erstes mal ab.



Nach kurzer Pause und mit gezackten Freunden (Steigeisen) an den Füssen folgen wir den Spuren kurz hinab in den Col du Meitin um dann in gut gefrorenem Firn gen Combin de Grafenaire zu schreiten. Diesen erreichen wir nur 25 Minuten nach Abmarsch vom Valsorey.



Hier halten wir uns ebenfalls nur kurz auf und machen uns auf den Weiterweg richtung Aiguille du Croissant, welche es als Nächstes zu überschreiten gilt. Ein sehr fotogener Zapfen, wie sich herausstellt. Generell ist das Panorama fantastisch. Da das Grand Combin Massiv weit genug weg ist von den restlichen 4000ern im Wallis ergeben sich traumhafte Layers, das Teleobjektiv war also nicht vergebens mit im Rucksack.



Nach der Aiguille du Croissant steigen wir kurz hinab bevor wir links kurz eine Spalte hinab klettern. Nun folgt die Mur de la Cote, die berüchtigte Schlüsselstelle welche laut der Hüttenwirtin bereits blank sein sollte. Ganz so schlimm is es dann doch nicht, jedoch ist die Schneeauflage am Anfang bereits dünn und so packen wir den Strick nochmals aus und platzieren ein paar Eisschrauben. So gelangen wir schnell in flacheres Gelände und über den flachen Gletscher bald zum Combin de la Tsesettes. Es ist 09:00 Uhr und wir somit bestens in der Zeit.



Nun folgt die “4-sterne Abseilpiste“, wie Tobias dies im Internet recherchiert hatte. Trotz der Tatsache dass diese im Jahr 2017 neu für 50m Seile eingerichtet wurde machte mir diese Stelle von vorne herein am meisten Sorge. Ich seile per se nicht sonderlich gerne ab, schon gar nicht in solch wildem alpinen Gelände. In diesem Falle wird die Abseilerei noch durch fehlendes Handynetz gewürzt. Nicht gerade ideal, wenn man wirklich nur ein Seil dabei hat.

Wir schreiten also kurz dem schmalen Grat weiter gen Südosten bis dieser abrupt steil abbricht. Hier findet sich ein Abseilstand, 2 neuere Haken verbunden mit 2 alten Haken. Nach kurzer Diskussion einigen wir uns, dass dies der korrekte, neue Abseilstand ist. Ich bin froh, dass Tobias sich bereit erklärt als erster hinabzuseilen und 3 Minuten später heisst es „Seil frei“. Ich sause hinterher und mache mich unten sofort auf die Suche nach dem nächsten Stand. Ich finde diesen bald und versuche ausfindig zu machen, in welche Richtung es gehen soll. Die Beschreibung lautet leicht nach rechts, von oben gesehen abseilen. Wiederrum macht Tobias den Anfang und seilt prompt zu weit nach links hinab. Dank der Endknoten verklemmt sich auch prompt das Seil in einer brüchigen Rinne. Tobias hat sich bereits aus dem seil geklinkt und so darf ich mich auf den Weg in die Rinne machen um das Seil zu befreien. Anschliessend kann ich, am Seil gesichert wieder zu Tobias aufsteigen und nach weiterem Suchen finde ich bald den nächsten Abseilstand. Die Abseilerei bis hierhin hatte nun bereits fast eine Stunde gedauert, und es würden uns nun noch 6 Abseilpartien bevorstehen. Zum Glück schien das Wetter zu halten, wohlbefinden stellte sich bei mir dennoch nicht ein. Immerhin waren die nächsten Abseilstände leichter zu finden, der brüchige Fels bedurfte dennoch äusserster Vorsicht um mit halbwegs heilen Fingern die Tour zu beenden. Nach weiteren 80 Minuten erreichen wir endlich den flachen Grat welcher zur Tour de Bouisin hinüber zieht. Das Abseilen hatte tatsächlich 2,5 Stunden gedauert.



Bevor wir uns auf den Weg dorthin machen verklemmt sich tatsächlich unser Seil beim letzten Abseilstand, zum Glück kann diese Stelle erneut erklommen werden und wir können das Seil als Ganzes mitnehmen. Zügig machen wir uns auf den Weg und über teils brüchiges Gelände erreichen wir den namenlosen Gletscher. Es ist bereits 11:30 Uhr und somit seilen wir für das kurze Stück nochmals an. Die Spaltenbrücken halten zum Glück und wir erreichen bald den letzten Gipfel des Tages auf 3831m.



Wir verräumen nurmehr das Seil und folgen sobald dem Ostgrat hinab. Der lose Schutt ist knieschonend im Abstieg, verlang aber dennoch Vorsicht. Grosse Felsbrocken warten nur darauf, losgetreten zu werden und ob der Steilheit gewinnen diese schnell an Geschwindigkeit. Kurz vor p3386m folgen wir Wegspuren nach rechts (süd) und gelangen 15 Minuten Später auf den namenlosen Gletscher. 5 Minuten Später erreichen wir den eisfreien Boden und entledigen uns der Kletterutensilien. Was für ein nervenaufreibender Abstieg, doch es folgen noch viele Kilometer bis zum Parkplatz.



Auf dem Weg dorthin passieren wir wilde und unberührte Landschaften, doch jeder von uns ist sichtlich geschafft. Auf 2500m montieren wir unsere Turnschuhe und machen uns auf den Weg zur Talsohle. Die anschliessende Forststrasse entlang des Lac du Mauvoisin will kein Ende nehmen und die 150hm Gegenanstieg fordern die müde Muskulatur nochmals.

Nach weiteren 20 Tunnels erreichen wir nach 13 Stunden endlich das Auto.


Fazit:

Der Führer hat recht behalten, doch Wild ist vor allem der Abstieg. Leider hat man beim Einrichter der Abseilpiste keine Markierungen angebracht, dies würde das Abseilen massgeblich vereinfachen. Man kann definitiv schneller sein als wir, allerdings waren wir auch zu dritt. ein zweites, dünnes Seil als Backup dabei zu haben schont die Nerven. Ansonsten eine absolute Empfehlung, wunderbare Landschaften und trotzdem wenig Bergsteiger findet man an nur wenig der 4000er der Schweiz.

Route facts:

Circa 20 km ab der Cab. Valsorey, UIAA III, 45 Grad, E5

Video:


Material

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