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Never try, never know - Grosse Zinne 2999m

September 25, 2017

Nach dem Abenteuer Grossglockner führ ich zunächst zum Stallersattel und fiel in ein 14 stündiges Koma.

Ausgeruht fuhr ich am nächsten Tag nach Italien, da für Slowenien das Wetter mittelprächtig aussah. Die Zinnen wollte ich ja so oder so besuchen, und das Wetter für Südtirol versprach mehr Möglichkeiten. 

 

Hallo Südtirol!

 

Nach kleiner Sightseeing Tour und entspanntem Beobachten der Drei Zinnen vom Tal aus fuhr ich bei bestem Wetter um 5 abends zur Aurozohütte hinauf. Nach der Ankunft schlüpfte ich schnell ins Trailrunningoutfit um noch ein paar gute Shots von den Nordwänden zu bekommen. Ein wunderbarer Flowtrail bringt mich rasch auf die Nordseite und offenbart mir ein fantastisches Panorama. 

 

 

 

Insgesamt liegt weniger Schnee als vermutet. Lediglich das letzte Stück zum Sattel hinauf muss ich mich ein wenig durch den Schnee kämpfen. 

Whats next?

Nach ausreichender Stärkung am Auto sehe ich mir nochmal die Route auf die Grosse Zinne an. Ich überlege hin und her, ob ich es probieren sollte oder doch nur kurz auf den Paternkofel rennen sollte. Am Ende entscheide ich mich, es zu probieren, im Wissen dass ich wahrscheinlich umkehren würde. Es war spät als ich ins Bett fiel, nach 12, dementsprechend kroch ich erst um 07:15 aus den Federn. Den Rucksack hatte ich bereits gepackt, den Pickel nahm ich kurz vor Abmarsch wieder hinunter. Steigeisen hatte ich gar nicht eingepackt. Ist ja Südseitig, da wird’s schon nicht viel Schnee haben.

 

Auch gegen grobe Bergschuhe entschied ich mich, ich wollte auf den La Sportiva X3 vertrauen mit dem ich schon diverse Touren gemeistert hatte. Das mag jetzt unverantwortlich oder fahrlässig klingen, aber ich kann mit diesem Schuh bedeutend besser klettern als mit groben Bergschuhen. 

 

07:50 Uhr: Abmarsch.

Rasch passiere ich die Auronzohütte und folge dem breiten Forstweg. Kurz vor der Kapelle zweigt links der Weg ab, hinauf in den Sattel zwischen Grosser und kleiner Zinne.

 

08:20: Kurz unterhalb des Einstiegs fällt mir auf, ich habe vergessen die Wasserflasche einzupacken. Ja nu, wird schon gehen, hat ja Schnee. Im Schnee zeigen sich die Spuren einer 2er Seilschaft, ich vermute eine Führerseilschaft. Die ersten Klettermeter sind noch im trockenen, dann fängt der Schnee an. Dank Spur ist es jedoch gut möglich die kleinen Absätze zu erklimmen.

 

Aller Anfang ist doch schwer...

Komme ich zunächst noch zügig voran, stehe ich plötzlich unterhalb eines Klemmblockes, dahinter ein kleines Loch durch das offensichtlich geklettert werden muss.

 

Am Fels Eis, der Ausstieg schneebedeckt, Griffe? Mangelware. Langsam wage ich mich heran, zögere jedoch immer wieder ein wenig, da ich keine Abseilstelle erspähen kann. Der schneebedeckte Ausstieg lässt mich mich herzlich selbst beglückwünschen, den Eispickel im Auto gelassen zu haben. 

In der Überzeugung es muss eine Abseilstelle geben gebe ich mir einen Ruck und stemme mich im Spreizschritt das Loch hinauf. Oben angekommen sehe ich die ersehnte Abseilstelle. Puh, na dann kanns ja weitergehen. 

 

Nächster Halt: Südwand!

5 Schritte weiter komme ich an der ersten Scharte an. Hier endet die Spur, mutmasslich waren die beiden rechts hinauf gegangen. Dies erschien mir zu steil. Ich erspähte den Weg am Ringband und folgte diesem zunächst. Nach einiger Zeit fand ich einen einfachen Weg rechts hinauf zu queren. Teilweise waren Steinmännchen vorhanden, ganz falsch schien ich nicht zu sein.

 

Irgendwann stiess ich auf gelbe Markierungen, folgte der logischen Linie und stand letzten Endes vor der Südwand. Hier keine Chance hinaufzukommen. Ich überlegte kurz und war in Gedanken bereits beim Umkehren. Ich stieg wieder ab, fand eine kleine Rinne mit Stacheldraht und entschloss mich mir das genauer anzusehen und ein paar Fotos zu machen. Gedanklich hatte ich mich bereits mit der Umkehr angefreundet. Ich stieg auf der anderen Seite wieder ab und sah eine Scharte. Zeit habe ich ja, dachte ich mir da mein Wetterfenster bis 13:00 Uhr sein dürfte, da machen 5 Minuten nichts aus. Über den Sattel geklettert fand ich die Wegspuren der Führerseilschaft wieder.

 

Unverhofftes Weitersteigen 

 

Da ich bereits auf 2710mwar wollte ich noch ein wenig schauen gehen, zumindest den Kamin wollte ich sehen, um ein Bild davon zu haben wenn ich wieder kommen würde. In anregender Kletterei auf nassem bis eisigem Fels erreichte ich nach 15 Minuten den Innerkofler Kamin.

 

Im Tunnel

Mmmh, sah sportlich aus, aber die Spur führte dort hinauf. Im Spreizschritt gelange ich meter um Meter höher, unterhalb des Absatzes baumelte eine vereiste Reepschnur. Mir war klar, wenn ich dort hochkommen wollte dann nur technisch. Langsam erreichte ich eine Höhe in der die Schnur in Griffweite war. Wie gut dass mein gesamtes Material im Rucksack war. Auf wenig einladenden Tritten gelang es mir, eine Expressschlinge sowie eine 120m Schlinge hervorzukramen. Ebenfalls einen Friend ergatterte ich. Flink war die Expresse und Schlinge Montiert und der Fuss in der Schlinge. Nach kurzem Aufstehen fand ich einen recht guten Tritt. Den Friend in der Hand grub ich ein wenig im Schnee, nur um festzustellen dass dieser mir hier nicht weiter helfen würde. Links eine abgesägte Schraube eines Bohrhakens. Ja der wäre jetzt fein gewesen, mindestens so fein wäre aber auch der Pickel gewesen der in meinem Auto lag. Ein morgen der klugen Entscheidungen wie es aussah. 

 

Nach dem Kamin ging es nochmals kurz steil hinauf, alle 20 Meter fand sich jedoch ein Abseilstand, somit legten sich meine Bedenken. Hier würde ich schnell wieder unten sein. Am Ende stand ein Sprung über eine 1 meter breite Schlucht an bevor man auf das Ringband gelangte.

 

Unerwartetes Gelingen

Langsam bekam ich das Gefühl ich könnte vielleicht doch noch den Gipfel erreichen. aber eine Umkehr war immer noch kein Problem. Nach kurzer anregender Kletterei gelangte ich auf 2930 Metern zur letzten Schlüsselstelle. Hier kam mir die Führerseilschaft abseilend entgegen. Kurzer Plausch, Dank fürs Spuren. Mit der Info, dass es nur mehr 10 Minuten sein packte ich die Kletterstelle an. Der Kamin, über den Sie abgeseilt waren, sah mir wenig einladend aus. Ich hielt mich links, kletterte bis etwa 3 Meter unter die Kante und befand, dass mir dies zu heiss wäre. Ich kletterte wieder ab und querte nach rechts. Mit ein paar beherzten Zügen erreichte ich den Sattel. 2 Kurven weiter wartete der Böse Block auf mich, heute schneebedeckt und alglatt. Welch Vergnügen das zu klettern. Technisch nicht ganz einwandfrei und mit ein paar Schimpftiraden auf den Lippen überwand ich auch dieses Hindernis. Diesen Gipfel muss man sich eindeutig verdienen. Dann eine letzte Linkskurve und ich sah das Gipfelkreuz.

 

 Unfassbar, ich hatte es tatsächlich geschafft. Am Gipfel genoss ich nur kurz das Panorama, schoss ein paar Fotos und konnte ein paar Blicke hinab in die Nordwand erhaschen. Kurzer Eintrag, Visitenkarte hinterlegt und es war Zeit für den Abstieg. Genau 2:50 h hatte ich ab dem Auto gebraucht.

 

Ohne meinen Ausflug in die Südwandprärie wäre ich sicher eine halbe Stunde schneller gewesen. Hinab ging es flink, bis zum Kamin hinab seilte ich 2 mal ab. Am Kamin traf ich die Führerseilschaft wieder und wir plauderten ein wenig.

 

Auch die 6 Menschen, welche kurz nach mir eingestiegen waren, quälten sich gerade den Innerkofler nach oben. Ich fragte den Seilschaftsersten, ob sie meiner Spur gefolgt seien. Er bejahte und bestätigte dass auch ihnen die Routenfindung nicht einfach gefallen war. Mmh, gleiches Topo… Nach kurzem Plausch ging die Abseilfahrt weiter. oberhalb vom Kamin seilte ich einmal ab bis zu einem windigen Schlaghakenstand. Der nächste Stand war nicht zu sehen. Der Bergführer meinte irgendwo müsse einer sein. Ich entschied mich das Seil abzuziehen und den Rest abzuklettern. Dies gelang problemlos. Bald war die Scharte erreicht an der ich falsch abgezweigt war. Oh mann, hatte ich da einen Umweg genommen. Von oberhalb des vereisten Tunnels zeigte sich ein grandioser Blick auf die Kleine Zinne, diese wurde gerade von der Sonne angestrahlt. Welch grandioses Finish. Nach 2 weiteren Abseilfahrten erreichte ich den Einstieg.

 

Auf halbem Weg hinab zum Forstweg verabschiedete ich mich von den beiden Anderen. Flugs war ich zurück an der Strasse, nahm den Helm ab und rief meine Mutter an. Was für ein verrückter Tag.

 

Nachtrag:

Dies soll nicht zum Nachahmen animieren. Bei solchen Projekten muss alles stimmen, selbst bei trockenen Verhältnissen. Wäre ausser mir keiner am Berg gewesen, wäre ich hundert Prozent umgekehrt. Bei vorhandener Spur ist das Unterfangen deutlich einfacher. Auch das wissen dass nach einem noch Menschen kommen hilft. Ich habe eigentlich immer damit gerechnet, dass ich umkehren würde, mein Bauchgefühl hat mir bis zuletzt gesagt dass ich weitergehen darf. Bei Solotouren habe ich vor allem Angst vor dem Abstieg. Im Wissen, dass ich die kritischen Stellen abseilen kann fällt das Höhersteigen deutlich einfacher. 

 

 

Material: 50m Halbseil, Abseilgerät, 2 Exen, 1x 120cm schlinge, 1 Friend. Ein paar lose Karabiner. 

 

Fazit: Die Drei Zinnen sind in jedem Fall die Reise wert. Der Ruf der Ihnen vorauseilt ist absolut begründet. Die Grosse Zinne ist eine spannende Bergtour, bei trockenen Verhältnissen sicher deutlich frequentierter, Wer die alpinistischen Fähigkeiten hat, auf etwas Abenteuer steht und nicht auf Massen, dem sei die Tour bei diesen Bedingungen wärmstens empfohlen.